Jesus Christus.
Gutachten über sein Wesen und die Wünschbarkeit seiner Wiederkehr als Klon oder in welcher Form auch immer.
Sowie die Antwort auf das Jesus-Buch von Papst Benedikt XVI.
Studiengruppe RDW. © Peter Milger * www.milger.de
0. Entstehung des Gutachtens
1. Existenz einer Vorhaut Jesu fraglich
2. Vorhaut im Himmel oder auf Erden?
3. Fälschungen von Reliquien amtlich
4. Maria rettet die Vorhaut.
5. Gentechnologische Aspekte
6. Wusste Jesus wer oder was er war?
7. Vorhaut verwest oder ewig
8. Die Fleischwerdung von Eva und Jesus

9. Einträgliche Terminierung des Weltendes
Das Jüngste Gericht
"Fegefeuer, Jüngstes Gericht und Hölle - das muss wirklich nicht sein. "
10. Die Verarmung der Urgemeinde.
11. Leitsätze Jesus führen zum Chaos
12. Der Charakter Jesu
13. Mühsame Bezeugung der Auferstehung
15. Sektengründer und Propheten
16. Jesus in Jerusalem: Vom Typ her Rebell
17. Matthäus-Hinzufügungen rein politisch
18. Jesus, die Liebe und der Frieden
19. Zur Rechten Gottes
Fegefeuer
Denkt nicht, ich sei
gekommen, um Frieden auf
die Erde zu bringen, sondern das Schwert.

Jesus Christus laut Matthäus 10,34
Jerusalem Massaker
Näheres zum Thema Schwert:
Das Massaker von Jerusalem
Die Ausrottung der Katharer

Die Propaganda der Kreuzzüge
Der Fall Kolumbus
Näheres über das komplette Buch:
Jesus Terminator - Eine Posse im verwirrten Westen
Das Massaker von Jerusalem - Kreuzfahrer metzeln 1099 systematisch sämtlich Bewohner Jerusalems nieder, um die Stadt umstandslos in Besitz zu bringen - alles im Namen Jesu
Einleitung und Gutachten als fortlaufernder Text
Peter Milger: Gegen Land und Leute - Der 30jährige Krieg
Entstehung des Gutachtens

Ein Klon wird uns geboren

Im April 2002 suchte ich auf Anraten einer Kneipenbekanntschaft im Internet nach clon jesus und erlebte ein Wunder: 280.000 Einträge. Die Debatte war in den USA von Leuten angestoßen worden, die als The Second Coming Project (TSCP) firmierten. Unter der Adresse www.clonejesus.com kündigten sie an, die Wiederkehr Jesu mit eben jener Klontechnik bewerkstelligen zu wollen, der das Schaf Dolly sein Leben verdankt. Genauer nunmehr, verdankte. Das Vorhaben im Wortlaut:

We will clone Jesus, utilizing techniques pioneered at the Roslin Institute in Scotland.

Und weiter, in diversen Reliquiensammlungen existierten laut Auskunft der Verzeichnisse Partikel, die Jesus einst körpereigen waren. Das sind Komiker, war mein erster Gedanke, aber die mit US-Verhältnissen vertrauten Kritiker, die sich im Netz meldeten, nahmen die Sache verdammt ernst. Tenor: Die versuchen es wirklich. Demnach war mit Folgendem zu rechnen: Die TSCP-ler entnehmen einem derartigen Partikel eine Zelle, entfernen aus ihr den Zellkern mit den Genen Jesu, transferieren ihn in eine entkernte menschliche Eizelle, veranlassen diese zur Teilung und leiten mit dem Embryo eine künstliche Schwangerschaft ein. Eine jungfräuliche Ersatzmaria, so die Verlautbarung, stehe auch schon zu Verfügung, in dieser Hinsicht sei also eine zweite Jungfrauengeburt kein Problem.

The fertilized egg, now the Zygote of Jesus Christ, will be implanted in the womb of a young, virginal woman, who has volunteered of her own accord, who will then bring the Baby to term in a second virgin birth.

Einige Skeptiker gaben auf ihren Webseiten zu bedenken, das Vorhaben könne technisch nur durch ein Wunder gelingen, wenn nämlich die Zellenkerne samt der DNA dem Zahn der Zeit getrotzt hätten. Befürworter des Projekts erinnerten dagegen an die übernatürliche Komponente bei der Zeugung Jesu, also sei eine Wiederholung nicht völlig auszuschließen. Ursprünglich sollte die Klonierung Jesu schon im Jahr 2001 über die Bühne gehen, aber zu finanziellen Problemen kamen auch grundsätzliche. Die Projektgruppe beklagt die mangelnde Auskunftsbereitschaft des Vatikan. Auf ihre Anfrage nach den Aufbewahrungsorten der Reliquien sei ihnen aus Rom beschieden worden: Über den Verbleib solcher Objekte habe man keine Kenntnis und sofern sie überhaupt existierten, könne für ihre Echtheit nicht gebürgt werden. Man möge auch bedenken, dass der ganze Komplex von der protestantischen Propaganda hochgespielt worden sei. Die TSCP darauf unverdrossen: Ihre Leute seien schon auf der Suche nach den Jesus-Reliquien:

This is a typical roman lie. Several members of our group are travelling throughout Europe in search for the relics. No one will stop the Second Coming of Christ. Amen.

Auf mehreren Internetseiten wurden auch die enormen Konsequenzen diskutiert. Nach christlicher Lehre würde nämlich mit der Wiederkunft Jesu das Weltende samt dem jüngsten Gericht fällig, und das Reich Gottes käme über uns. Ein echter GAU also in Betrachtziehung meines Lebenswandels.

Was tun?

Erschrocken lud ich einige Freunde und Bekannte zu einem Privatsymposium ein, um die Angelegenheit zu erörtern. Einige erschienen tatsächlich, darunter eine Biologin, zwei junge Theologen, ein Philosoph und ein Kirchenhistoriker. Die Diskussion war lebhaft und kontrovers. Einige meinten, das finale Strafgericht sei doch wohl eine literarische Erfindung zwecks Besserung des Menschen, andere warfen ein, dafür mangele es an Beweisen. Schon die Ankündigung eines diesmal finalen Auftritts Jesu könnte einen Endzeitwahn mit fürchterlichen Folgen auslösen, warnte schließlich Dr. Konrad M. (Promotion: Die Geldschöpfungsfantasien des höheren Klerus im Spätmittelalter). Er erinnerte an die allein 50 Millionen Evangelikalen in den USA, die glauben, die Wiederkehr Jesu stehe unmittelbar bevor. Und weiter

Wenn man denen einen Jesus präsentiert, der predigt, der Endkampf gegen das Reich des Bösen habe begonnen, um Platz zu machen für das Reich Gottes, gibt es kein Halten mehr.

Beschluss: Wir gründen uns selbst als Untersuchungsausschuss, verfassen ein Gutachten über das Wesen Jesu und die Wünschbarkeit seiner Wiederkehr in welcher Form auch immer.

Jesus Terminator?

Konrad räusperte sich

Ich kenne ein italienisches Mitglied der römischen Glaubenskongregation. Er hat mir unter dem Sigel der Verschwiegenheit mitgeteilt:

1. Kardinal Ratzinger schreibt ein Buch über Jesus.
2. Alles deutet daraufhin, dass er die Nachfolge von Papst Johannes Paul II. antreten wird.
3. Es ist zu erwarten, dass Ratzinger alle Ansätze einer liberalen und privaten Deutung der Person Jesu als ketzerisch verwerfen wird und das Dogma seiner Wesensgleichheit mit Gott und vom strengen Richter verstärken wird.

Jetzt erschraken die beiden Theologen und meinten, dieser reaktionären Auslegung müsse man unbedingt entgegentreten. Beschluss: Das Gutachten soll auch darauf eingehen und sukzessive unter klont-jesus-nicht.de ins Internet gestellt werden.

Weil zu erwarten war, dass wir zwischen alle möglichen Fronten geraten würden, habe ich auf Drängen meines Freundes Konrad von Anfang an Notizen gemacht und die Gespräche aufgezeichnet. Fall es Ärger gibt, sagte er, kann du ja ein Buch schreiben. Und richtig, es gab reichlich Ärger.
Das Gutachten

1 Existenz einer Vorhaut Jesu fraglich

1.1 Alter und neuer Vertrag

Gott sah alles an, was er gemacht hatte. Es war sehr gut (Gen 1,31).

Folgen wir der Bibel weiter, hat Gott beim genaueren Hinsehen dann doch noch einen Schwachpunkt ausgemacht, den es zu korrigieren galt. Genesis (17, 11-12), Gott der Herr spricht zu Abraham:

Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen. Das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch. Alle männlichen Kinder bei euch müssen beschnitten werden, sobald sie acht Tage alt sind ...

Nach christlicher Lehre hat Gott den ersten Vertrag gekündigt und mit der Entsendung seines Sohnes einen neuen mit den Christen geschlossen. Warum es am Fleisch Jesu einer Beschneidung bedurfte, bleibt ein Rätsel.

1.2 Autoren drücken sich

Die Evangelisten Markus und Matthäus umschiffen das Problem, in dem sie den 8. Tag im Leben Jesu einfach übergehen. Nur Lukas hat es sich nicht so einfach gemacht (2, 21-23):

Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus ... Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn ...

1.3 Die Kirchenväter zunächst ratlos

Christlicher Gottessohn und doch nach jüdischem Brauch beschnitten, nunmehr im Himmel zur Rechten Gottes, ohne Vorhaut? Statt das Problem theologisch sauber zu klären, zog es die Kirche vor, den Akt an einem speziellen Feiertag zu verherrlichen.

1.4 Kein zeitgenössischer Hinweis über Verbleib der Vorhaut

Leider hat der zitierte Gewährsmann nicht überliefert, ob die Eltern das abgeschnittene Häutchen in weiser Vorrausicht aufbewahrt haben. Der Brauch sieht dergleichen nicht vor. Sollte es als Abfall behandelt worden sein, wäre das Klon-Projekt nur realisierbar, wenn sich eine höhere Vorsehung der Vorhaut angenommen hätte.

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2 Vorhaut im Himmel oder auf Erden?

2.1 Verwendung einer einzigartigen Untersuchung

Die hochheilige Vorhaut Christi. Im Kult und der Theologie der Papstkirche, Alphons Victor Müller, Berlin, 1907.

2.2 Müller zitiert korrekt

Der Autor macht deutlich, dass er die von ihm geschilderten Praktiken für abwegig hält. Müller arbeitet aber insofern wissenschaftlich, als er seine Quellen nachweist und zum Teil auch zitiert.

2.3 Hin und her wogt der Theologenstreit über die Vorhaut

Aus Kapitel II: Allgemeine Geschichte des allerheiligsten Präputiums (Vorhaut) und Kapitel III: Dogma und Praeputium. Zwischenüberschriften von uns.

2.3.1 Vorhaut weg, weil im Himmel

Da der Beschneidung Christi bei Lucas 2, 21 Erwähnung geschieht, lag es nahe, dass die Schrifterklärer sich auch die Frage stellten: Was ist aus dem abgeschnittenen Teil geworden? ... Anastasius Sinaita schreibt im ausgehenden VII. Jahrhundert in seinen Quaestiones et Responsiones:

„Auf alle Fälle aber hat Er, der sich freiwillig beschneiden ließ, das Praeputium aufbewahrt, damit Er es bei seiner Auferstehung wieder annehmen konnte, damit Er einen unverwesten und vollständigen Körper ohne jeden Fehler besäße."

In demselben Sinne lehrte auch Theophylakt (um 1150) in Cap. II, Lucae:

„Es scheint, dass Er diese Partikel unversehrt aufbewahrt und sie bei der Auferstehung wieder angenommen hat, damit er nicht ohne diese Partikel befunden würde."

2.3.2 Oder auch auf Erden? Christus auch ohne Vorhaut schön

Nach reiflicher Überlegung fanden aber die Theologen dennoch einen Ausweg aus dieser Sackgasse und zogen vor, die Echtheit der Lateranreliquie unangetastet zu lassen ... Zu diesem Zwecke erörterten sie etwas näher den Begriff der „Integrität" ... Christus musste im Himmel alles besitzen, was zum SEIN und GUT SEIN notwendig war. In diese Kategorie gehörten nach ziemlich allgemeiner Auffassung Finger- und Fußnägel, Kopfhaar und Barthaar. Da jedoch diese Dinge nur als „den Körper schmückend" postuliert wurden, sollten sie „nicht zu lang und nicht zu kurz", sondern nach der gerade herrschenden himmlischen Mode gestutzt sein. Zähne und Eingeweide wurden gleichfalls als notwendige Requisiten des auferstandenen Körpers angesehen, dagegen glaubte man auf Speichel, Schweiß und andere Exkremente verzichten zu können. Streitig blieb dagegen unsere Frage: Ist das Praeputium notwendig zum SEIN und GUT SEIN des auferstandenen Körpers? Gehört es zu seiner „Integrität"?

2.3.3 Ein Rest für die Gläubigen

Auf diese Frage antwortete eine Theologenschule: Nein! Das Praeputium gehört nicht zur Integrität des auferstandenen Körpers. Christus braucht mithin im Himmel kein Praeputium und besitzt auch tatsächlich diesen Teil nicht, sondern hat ihn auf der Erde zurückgelassen. Die Lateranreliquie ist daher echt ... Das Praeputium kann unmöglich als ein Körperteil angesehen werden. Es ist nur ein Häutchen, ein winziges Fragmentchen. Christus hat nur den erforderlichen Teil seines Blutes im Himmel wieder angenommen, den Rest ließ er zur Verehrung durch die Gläubigen auf der Erde. So hatte er es auch nicht nötig, alle Teilchen seines Körpers wieder anzunehmen. Ein weiteres Argument wurde aus der Stammeszugehörigkeit Christi gezogen ... Christus ist insoweit ganz auferstanden, als dieses ganz zum Sein und Schönsein beiträgt. Der Jude findet aber die Sache „ohne" schöner. Ergo ... er hat es nicht.

2.4 Im Himmel alle beschnitten?

Einige Heißsporne verdarben den Erfolg dieser Schulmeinung ... Wenn Christus kein Praeputium im Himmel haben sollte, hielten diese Herren es für unpassend, dass andere Himmelsbewohner in dieser Hinsicht etwas vor Christus voraus hätten. Demgemäss stellten sie die These auf, dass sämtliche Himmelsbewohner, um auch in diesem Punkte Christo gleich zu sein, vor ihrem Eintritt in die Seligkeit sich der bekannten Operation unterwerfen müssten! Diese etwas dreiste Behauptung regte besonders die Jesuiten Ferrandus und Suarez auf. Dass Christen mit diesem „schändlichen jüdischen Merkmal" gezeichnet werden könnten, hielten sie für Wahnsinn, eine jüdische Behauptung, und eine geradezu unglaubliche Sache.

2.5 Zu klein

Ebenfalls ausgeschlossen wurde die Ansicht, dass Christus sein altes Praeputium wieder angenommen habe. Eine solche Wiederaufnahme wäre zwecklos gewesen, denn da er es acht Tage nach der Geburt verlor; hätte es bei der Auferstehung, wie jedem einleuchtet, um ein Bedeutendes vergrößert werden müssen. Durch eine solche plötzliche und nicht kontinuierliche, außerordentliche Vergrößerung wäre die moralische Identität des alten Praeputiums zerstört worden. So der Jesuitentheologe Kardinal De Lugo.

2.6 Nachgebaut und vermehrt

Suarez stellte die These auf, dass dieser nebensächliche Teil ... aus einer verwandten Materie geformt worden sei, die er von seinem Körper abgestoßen habe. Auf diese Weise wurde es ermöglicht, dass Christus im Himmel eine eigene, ihm nicht fremde Vorhaut hatte und dieser Körperteil Christi zugleich auf Erden gezeigt werden konnte ... Gott hätte aber machen können in seiner Allmacht, so schließt der Bischof Rocca, dass ein und dasselbe Praeputium zu gleicher Zeit an verschiedenen Orten hätte gezeigt werden können!

2.7 Bestände in Rom

Nach der ersten Rezension des „libellus de Sanctis Sanctorum" befanden sich in der päpstlichen Privatkapelle unter anderen weniger auffallenden Reliquien:

„Die Vorhaut und die Nabelschnur Christi (praeputium und umbilicus).
Ein Brot und dreizehn Linsen vom letzten Abendmahl.
Kohlen, vom Blute des h. Laurentius besprengt,
und etwas von seinem Fett
Der Schwamm, mit dem Christus am Kreuz Essig gereicht wurde.
Ein Stück von der Krippe des Herrn
Das Tuch mit dem Jesus die Füße seiner Jünger abgetrocknet hat
Der ungenähte Rock Christi
Der Purpurmantel Christi
Zwei Flaschen, mit Wasser und Blut aus der Seite des Herrn gefüllt
Ein Stück vom Schleier und Haare Marias.
Milch von der allerseligsten Jungfrau."

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hoelle fegefeuer Ab dem 12. Jahrhundert wird es im Zwischenaufenthalt der Seelen Verstorbener (Purgatorium) ungemütlich - die Kirche nährt die Vorstellung von einem Fegefeuer. Die zeitliche Sündenstrafe kann durch Ablässe verkürzt werden, in der Regel gegen Geldopfer zu Gunsten des Klerus. Mit dem Erwerb einer Reliquie verfügt etwa ein Koster entspechend ihrem Rang über eine Anzahl von Ablassjahren, die es gestückelt an die Sünder veräußert. Gegengerechnet werden die unverbrauchten guten Taten Jesu und der Heiligen.
3 Fälschungen von Reliquien amtlich

3.1 Selbstzeugnisse auf höchster Ebene

Laterankonzil Rom 1215:

(62) Reliquien dürfen nur in Gefäßen gezeigt werden und nicht zum Verkauf ausgestellt, neue nicht verehrt werden, ohne vom Papst approbiert worden zu sein. Bisher geschah es oft, dass man die Wallfahrer zu fremden Kirchen durch allerlei Lügen und falsche Urkunden täuschte. Die Prälaten dürfen dies nicht mehr gestatten. Ebenso haben auch die Almosensammler (Ablassprediger), die sich für andere ausgaben, in ihren Predigten Falsches versprochen. Es darf darum keiner mehr zugelassen werden ohne Schreiben des Papstes oder Diözesanbischofs. Weiterhin müssen die Almosensammler bescheiden sein, dürfen nicht in Wirtshäusern übernachten, keinen großen Aufwand treiben, nicht ein fingiertes Ordensgewand tragen.

Konzil in Ravenna 1311:

(5) Die Bischöfe müssen alle Reliquien prüfen und die Ausstellung der unechten verbieten.

Allmählich wurden die Ablasshändler offenbar zur Landplage. Die Kirchenversammlungen in Köln und Mainz befinden:

Die Quästoren dürfen nicht falsche Reliquien und Glöckchen mitführen, auf Straßen predigen oder Ablässe von Tür zu Tür tragen ... Diese verhassten Menschen zeigen falsche Reliquien und erdichten Wunder ...

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4 Maria rettet die Vorhaut

4.1 Membrane vergraben. V. A. Müller:

Selten hat eine Frau eine solche Anziehungskraft und einen solchen Einfluss auf die Theologenwelt ausgeübt, wie Brigitta von Schweden, die 1391 von Bonifaz IX. heilig gesprochen wurde ...Noch im XVIII. Jahrhundert schreibt der Prälat Marangoni:

„Die Offenbarungen der hl. Brigitta gehören zu den sichersten, die in der Kirche Gottes erfolgt sind ..."

In diesen Offenbarungen erzählt die Heilige, wie Maria ihr erschien.

„Maria sprach zu mir: Als mein Sohn beschnitten wurde, bewahrte ich diese Membrane mit der größten Ehre auf. Wie hätte ich sie der Erde übergeben können, sie, die von mir ohne Sünde gezeugt worden war. Als die Zeit meiner Abberufung von dieser Erde herannahte, übergab ich sie dem heiligen Johannes, meinem Beschützer ... Als die Bosheit und die Perfidie zunahmen, versteckten die Gläubigen diese Dinge an einem reinen Ort unter der Erde, bis der Engel Gottes sie den Freunden Gottes offenbarte."

(Revelationum S. Brigittae. Ed. Romana 1628. Tom 11, lib. VI, cap. 112)

4.2 Mit dem Munde geprüft. V. A. Müller:

Agnes Blannbekin starb in Wien 1315. Ihre „Offenbarungen" hat der Benediktiner B. Pez in Wien 1731 herausgegeben ... Kapitel XXXVII dieser von ihrem geistlichen Berater aufgezeichneten Offenbarungen ist betitelt „Vom Praeputium des Herrn" und lautet (Seite 38):

„Diese Person pflegte fast von Jugend auf immer am Feste der Beschneidung innig aus großem Herz-Mitleid den Blutverlust zu beweinen, den Christus so früh zu erleiden sich herabließ ... So fing sie an, darüber nachzudenken, wo das Praeputium sei. Und siehe da! Bald fühlte sie auf der Zunge ein kleines Häutchen, gleich dem Häutchen eines Eies, voller übergroßer Süßigkeit, und sie schluckte es hinunter. Kaum hatte sie es hinuntergeschluckt, da fühlte sie schon wiederum das Häutchen und sie schluckte es nochmals hinunter. Und so machte sie es wohl hundertmal ... Und es wurde ihr offenbart, dass das Praeputium mit dem Herrn am Auferstehungstage auferstanden ist. So groß war die Süßigkeit beim Herunterschlucken dieses Häutchens, dass sie in allen Gliedern und in allen Muskeln der Glieder eine süße Umwandlung fühlte ..."

Kommentar des Beichtvaters:

„Ich aber war überaus getröstet darüber, dass der Herr sich so den Menschen offenbaren wollte, und brannte sehr, weiter zu hören."

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5 Gentechnologische Aspekte

5.1 Über Gott

Es liegen einige in der Antike verfasste Texte vor, in denen die Existenz Gottes und eines Gottessohnes behauptet wird. Ein Beweis für diese Behauptungen wurde bisher nicht angetreten. Die Nichtexistenz ist allerdings auch nicht beweisbar, weil Nichtexistenz prinzipiell nicht beweisbar ist. Wenn im Folgenden von Gott die Rede ist, ist damit gemeint: Gott, sofern er existiert.

5.2 Menschwerdung mit Sperma

Jede Körperzelle hat zwei Sätze mit je 23 Chromosomen. Eizelle und Sperma enthalten nur einen Satz. Die beiden legen sich in der Eizelle nach Eindringen des Spermas paarweise aneinander. Dann beginnt die Zellteilung mit der Duplizierung der Chromosomensätze.

5.3 Dito ohne Sperma

Aus einer Körperzelle wird der Zellkern mit beiden Chromosomensätzen abgesaugt und in eine ebenfalls entkernte Eizelle eingeschleust. Diese wird dann so stimuliert, dass die Zellteilung einsetzt. Über das Geschlecht entscheidet das Geschlecht der Körperzelle.

5.4 Was von Jesus taugt zu Klonierung?

Haare, Fingernägel, Fußnägel und Blut, die als von Jesus stammend in den Reliquiensammlungen aufgezählt werden, erscheinen aus biologischer Sicht weniger geeignet. Ähnlich der theologische Befund. Ist doch das Zustandekommen des Originals betreffend ausdrücklich von einer Fleischwerdung die Rede.

5.5.1 Vorgehensweise im Jahr 0 oder 1

Wie Gott eine Eizelle Marias manipuliert hat, weiß er allein.

5.5.2 Alternativ

Wenn Gott einer Eizelle Marias durch den Heiligen Geist den Befehl übermittelt hätte: Teile dich, und werde Mann und Gott, wäre das Spezifische an dem Zustandekommen von Jesus eine Anweisung, die nicht in den Zellen gespeichert wurde. In einer Körperzelle Jesu lägen dann nur die Chromosomen Marias vor.

5.5.3 Achtung TSCP

Trifft 5.5.2 zu, wird Euer Klon eine Frau.

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6 Wusste Jesus wer oder was er ist?

6.1 Belehrung durch eine Taube

Jesus sagt nie, er sei von Gott gezeugt oder auch nur, dass er Jesus heiße. Als sei ihm selbst nicht klar, wer er ist, bekommt Jesus am Anfang des Markus-Evangeliums einen Tipp. Er sieht eine Taube und eine Stimme sagt zu ihm (Mk 1,11):

Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

Da Gott recht verstanden alle Menschen als seine Kinder ansieht, ist der Erkenntniswert der Auskunft gering. Siehe auch 6.3

6.2 Belehrung durch schlechten Leumund


Ohne sich vorzustellen, zieht Jesus die Massen durch Heilungen und die Austreibung böser Geister an. Ein solcher in einem Mann aus Karfanaum sagt zu Jesus (Mk 1,24):

Ich weiß wer du bist: Der Heilige Gottes. Da befahl Jesus: Schweig, und verlass ihn ... (Mk 3,11): Wenn die von unreinen Geistern besessenen ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrieen: Du bist der Sohn Gottes. Er aber verbot ihnen streng, bekannt zu machen, wer er sei.

6.3 Belehrung aus einer Wolke

Die Jünger sind verwirrt, da Jesus über sich nur in Rätseln spricht. Schließlich greift eine Stimme aus einer Wolke ein. Sie spricht zu drei Jüngern, ohne sich ihrerseits vorgestellt zu haben (Mk 9,7):

Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.

6.4 Unwissen in Folge der Geheimniskrämerei

Dafür fragt Jesus die Jünger (Mk 8,27):

Für wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen Propheten.

Jesus kommentiert das nicht, sondern fragt sie nun selbst, wer er sei. Nur einer hat eine Antwort parat (Mk 8,29).

Ihr aber, für wen haltet ihr mich. Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Christós. Doch er verbot ihnen, über ihn zu sprechen.

Petrus sagt also: Du bist der Gesalbte. So wurde der König der Juden als Mittler zwischen Gott und dem Volk genannt. Aber Jesus sagt nicht: Ja, ich bin es.

6.5 Der Menschensohn. Ankündigung in der 3.Person

Dann begann er sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden ... (Mk 13,26): Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen ...

Was ist ein Menschensohn auf den Wolken? Offenbar ein Adoptivsohn, den der Autor aus dem Alten Testament übernahm. Daniel (7,13,14):

Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zum Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurde Herrschaft, Würde und Königtum gegeben.

6.6 Auch am Ende formulieren andere, wer er ist

In Jerusalem wird Jesus verhaftet. Verhör im Palast der Hohenpriester. Jesus schweigt zunächst. (Mk14,61):

Da wandte sich der Hohepriester nochmals an ihn und fragte ihn: Bist du der Christós, der Sohn des Hochgelobten. Jesus sagte: Ich bin es und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen.

Verhör beim römischen Landpfleger. (Mk 15,2):

Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden. Er antwortete ihm: Du sagst es.

Also der prophezeite Retter Israels. Hat er etwas in dieser Richtung erreicht? Eine heikle Frage.

6.7 Unsere Auslegung:

Wie Gott Vater wurde, oder Jesus Sohn, bleibt offen. Folgt man dem Propheten Daniel, handelt es sich um eine Adoption. König der Juden impliziert keine Vaterschaft. Wenn Jesus selbst nicht genau wusste, wer er war, ist es kein Wunder, dass die Christenheit sich bis heute nicht auf einen Jesus einigen kann.

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7 Vorhaut verwest oder ewig?

Die Zellteilung kommt nur in Gang, wenn die Jesus-DNA nicht verrottet ist. Sie ist nur dann nicht verrottet, wenn sie durch ihre Göttlichkeit konserviert wurde.

7.1 So geht es nicht

Wenn die ersten Generationen der Christenmenschen Recht haben, war Jesus substanziell Mensch. Dann wären die Gene hinüber.

7.2 So geht es, aber nur amtlich

Das Glaubensbekenntnis unterstellt, Jesus Christus sei Sohn Gottes vor aller Zeit, also schon vor seiner Fleischwerdung, sowie wahrer Gott, und Gott wesensgleich. Es geht auf den Beschluss eines Konzils unter Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert zurück.

7.3 Einwände unterdrückt

Die dem logischen Denken treu geblieben Philosophen wiesen sogleich voll Hohn und Spott darauf hin, dass der Vater immer dem Sohn vorausgeht, sie also keine Parallelerscheinung sein können. Darauf strich Kaiser Konstantin den Philosophenschulen die Gelder.

7.4 Ratschlag


Hallo, TSCP-ler. Das Glaubensbekenntnis nach 5.3 entspricht in keiner Weise dem Text der Evangelien und der Logik.

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8 Die Fleischwerdung von Eva und Jesus

8.1 Chancen für das Klonprojekt

Wenn Gott den Plan, einen Klon von Jesus zu erschaffen, nicht billigt, wird er en Betreibern Einhalt zu gebieten. Sofern die Bibel recht hat, ist er allerdings nicht im Prinzip gegen jede Form des Klonens.

8.2 Eva ein Klon?

Genesis 2,21-23. Gott entnimmt Adam unter Narkose eine Rippe.

Gott der Herr ließ einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, sodass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch. Gott der Herr baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu.

Hier steht klipp und klar, dass Gott allein aus der Erbinformation der Zellen Adams eine Frau machte. Ergo ist Eva ein Klon. Adam sieht das auch so:

Und der Mensch sprach: Das endlich ist Bein von meinem Bein, Fleisch von meinem Fleisch.

8.3 Die Fleischwerdung Jesu im Neuen Testament

Die einen schreiben so, die anderen so. Ganz geheuer war sie wohl keinem der Autoren.

8.3.1 Ratlose Autoren

Das im neuen Testament beschriebene Verfahren der Menschwerdung Jesu ähnelt ja dem modernen Klonen, insoweit es ohne Sperma auskommt. Die Autoren des Neuen Testaments stehen dem Problem einer Empfängnis ohne Samenspender aber noch ratlos gegenüber. Einer löst das Problem elegant. Sein Jesus hat keinen Vater, und wie er gezeugt und geboren wurde, lässt der Autor offen.

8.3.2 Die Familie Jesu im Markus-Evangelium

Jesus besucht seine Heimatstadt. Die Leute fragen sich (Mk 6,3):

Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon. Leben nicht seine Schwestern hier unter uns?

Ein Oberhaupt der Familie namens Joseph wird von den Bearbeitern des Markus-Evangeliums eingeführt. Ebenso wie der Heilige Geist.

8.3.3 Wenig einfühlsames Vorgehen des Heiligen Geistes

Er macht, dass Maria schwanger wird, ohne sie vorher zu informieren oder sich vorgestellt zu haben. (Mt 1,18):

Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte es sich, dass sie ein Kind erwartete, durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Josef ist ratlos und will sich von ihr trennen, da erscheint ihm ein Engel im Traum. Der sagt, er solle bei Maria bleiben, denn (Mt 1, 20):

Das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.

Ob Joseph das der Maria beigebracht hat, wird verschwiegen.

8.3.4 Frauenfreundlicher Engel

Der Autor des Lukas-Evangeliums lässt den Engel auftreten, bevor es passiert ist. Er besucht Maria selbst und sagt zu ihr (Lk 1,31):

Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben.

Maria zweifelt am Gelingen und bedeutet dem Engel, dass sie keinen Geschlechtsverkehr gehabt habe. Darauf sagt dieser (Lk 1,35):

Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.

Dabei benutzt er die bewährte Körperöffnung. (Lk 2, 28):

... man gab ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoss seiner Mutter empfangen wurde.

8.4 Fazit:

Die Autoren der Evangelien haben keine genaue Vorstellungen über das Zeugungsverhalten ihres Heiligen Geistes. Insgesamt scheint aber der Gott der Bibel das spermalose Verfahren nicht abzulehnen. Sollte er es aber für seine Domäne halten, müssen alle mit einer entsprechenden Verärgerung rechnen, die eine Nachahmung erwägen.

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9 Einträgliche falsche Terminierung des Weltendes

9.1 Worte Jesu: Noch in dieser Generation

Markus (13,30) und Matthäus (24,34), Lukas (21,32) gleichlautend.

Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen. Matthäus (10,23): Wenn man euch in der einen Stadt verfolgt, so flieht in die andere. Amen, ich sage euch: Ihr werdet nicht zu Ende kommen mit den Städten Israels, bis der Menschensohn kommt.

Markus (9,1), fast gleichlautend mit Lukas (9,27) und Matthäus (16,28). Jesus sagt zu den Jüngern:

Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes gekommen ist.
9.2 Irdisch Hab und Gut hat keine Perspektive mehr

Die Evangelisten lassen ihren Jesus das Weltende nicht mit eigenen Worten beschreiben, sondern zitieren aus dem Alten Testament ohne die Quelle zu nennen. Jesus sagt laut (Mk 13,19):

Denn jene Tage werden eine Not bringen, wie es noch nie eine gegeben hat, seit Gott die Welt erschuf ...

Daniel (12,1), ein jüngstes Gericht ankündigend:

Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt ...

Jesus laut (Mk13,24):

In jenen Tagen, nach der großen Not wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen.

Jesaja (13,10), das Weltende betreffend:

Die Sterne und Sternbilder am Himmel lassen ihr Licht nicht mehr leuchten. Die Sonne ist dunkel, schon wenn sie aufgeht, der Mond lässt sein Licht nicht mehr scheinen.

9.3 Nutznießer der Endzeitprognosen

Die Evangelisten schrieben offensichtlich im Auftrag verschiedener frühchristlicher Gemeinden, die mit den Texten Mitglieder werben konnten.

9.3.1 Verknüpfung mit Versprechungen und Spendenaufrufen

Jesus beginnt sein Wirken mit der Verkündung (Mk 1,15):

Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe, kehret um ...

Wann genau erfüllt. Umkehr in welche Richtung? Keiner weiß bescheid, die Zuhörer sind zunächst ratlos. Genauere Anweisungen folgen in den nächsten Reden.

(Mk 10,21): Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben ...
Also Anlageberatung pur. So auch die anderen Autoren.

(Lk 12,33): Verkauft eure Habe und gebt den Erlös den Armen ... verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt droben im Himmel. (Mt 6,19): Sammelt euch nicht Schätze auf dieser Erde ... sondern sammelt euch Schätze im Himmel ...

9..3.2 Wer war arm und somit irdisch begünstigt?

Die christlichen Gemeinden. Auf dem Apostelkonzil von Jerusalem kommt es zu einem Handel. Gegen die Zusicherung von Geldtransfers nach Jerusalem erteilen die dortigen Führer Paulus die Lizenz zur Heidenmission. Paulus-Brief an die Galater (2, 9-10):

Wir sollten zu den Heiden gehen, sie zu den Beschnittenen. Nur sollten wir an ihre Armen denken, und das zu tun habe ich mich eifrig bemüht.

Paulus-Brief 1 an die Korinther (16,1-2):

Was die Geldsammlung für die Heiligen (von Jerusalem) angeht ... Jeder soll immer am ersten Tag der Woche etwas zurücklegen und so zusammensparen, was er kann.

Paulus-Brief 2 an die Korinther (8,6):

Ihr sollt euch auch an dem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen ... (9,5): ... und zwar als großzügige Spende, und nicht als Gabe des Geizes.

9.4 Rechtliche Würdigung

Mit der Prognose einer finalen Abwertung ergeht die Aufforderung, Hab und Gut abzustoßen. Empfohlen wird die Anlage der Erlöse in Form von Spenden für die Armen, wobei eine Gutschrift erfolgt. Garantiert werden Vergünstigungen bei der postmortalen Einlösung.
Strafbar ist die Prognose, wenn sie gegen besseres Wissen erfolgt. Kirchen, die über die Terminierung keine Auskunft geben, sind nicht zu belangen. So die Römische Kirche, die legt ihre Gelder sogar langfristig an, weder das jüngste Gericht fürchtend noch den Richter Jesus, der ihr befahl: Ihr sollt keine Schätze sammeln auf Erden ...

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10 Die Verarmung der Urgemeinden

10.1 Wirtschaftliches Gebaren laut Apostelgeschichte. (Apg. 2,44):

Und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte.

10.2 Zunächst großer Zulauf. (Apg 4,33)

Das vielversprechende Thema Auferstehung stand im Zentrum der Werbung um zahlende Mitglieder. Daher ging zunächst alles gut

Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herren ... Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser hatten, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füssen.

10.3 Finanzielle Engpässe

Bald reicht es nicht mehr für alle. Als Ursachen werden genannt

10.3.1 Zu viele Mitglieder (Apg. 6,1):

In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten (Heidenchristen) gegen die Hebräer (Judenchristen) auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.

10.3.2 Unterschlagungen (Apg 5,1):

Ein Mann namens Hananias aber und seine Frau Saphira verkauften zusammen ein Grundstück, und mit Einverständnis seiner Frau, behielt er etwas von dem Erlös für sich.

10.4 Exempel zur Hebung der Zahlungsmoral (Apg. ab5,4):

Petrus stellt Hananias zu Rede und schließt mit den Worten:

Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott.

Die Bestrafung erfolgt auf der Stelle, von demselben Petrus erwirkt, der seinen Herren Jesus dreimal verleugnet haben soll.

Als Hananias diese Worte hörte, stürzte er zu Boden und starb.

Dann wendet sich Petrus an Saphira.

Siehe die Füße derer, die deinen Mann begraben haben, stehen noch vor der Tür. Auch dich wird man hinaustragen. Im selben Augenblick brach sie zu seinen Füssen zusammen.

Wenn es so war, erfüllte die Tat ihren Zweck.

Da kam große Furcht über die ganze Gemeinde und über alle, die davon hörten.

Auch die Leser Apostelgeschichte wussten nun, wo sie dran waren.

10.5 Warnung vor Nachahmern

Es handelt sich um ein Schneeballsystem. Die Einsteiger bringen ihr Vermögen ein und sind dann ohne Einkommen. Dafür sorgt die Gemeinde für ihren Unterhalt. Je mehr Mitglieder zu versorgen sind, um so mehr Einsteiger müssen geworben werden. Die Zahl der Mitglieder wächst, die Zahl der Kandidaten nimmt ab. So wird zwangsläufig ein Punkt erreicht, an dem die Erlöse den Finanzbedarf der Gemeinschaft nicht mehr decken.

10.6.1 Strafbarkeit, das Ehepaar betreffend

Die Teilunterschlagung einer freiwilligen Spende ist nicht strafbar. Eine Steuerhinterziehung läge nur vor, wenn das Ehepaar den Gesamtbetrag geltend gemacht hat. Selbst dann wäre auf eine Geldstrafe zu befinden, wenn das Ehepaar nicht vorbestraft war.

10.6.2 Strafbarkeit, Petrus betreffend

Es liegt ein schwerer prozessualer Fehler vor: Es wurden weder Zeugen gehört, noch lag ein Geständnis vor. Das Urteil kam also durch einen schweren Fall von Rechtsbeugung zustande. Die sofortige Vollstreckung betreffend besteht der Verdacht auf vorsätzlichen Mord im Amt zwecks Erringung von Vermögensvorteilen.

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11 Bedenkliche Konsequenzen einiger Leitsätze Jesu

11.1 Agitation für den Ausstieg

Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache empfangen. Jetzt in dieser Zeit: Häuser, Brüder, Schwestern, Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen und in der kommenden Welt das ewige Leben.

So Markus (10,29) und Matthäus (19,29). Eine deutliche Anweisung, auf Eigentum zu verzichten und die eigene Familie zu verlassen.

11.2 Absage an die materielle Reproduktion

Matthäus (6,25) und Lukas (12,22):

Sorgt euch nicht, um euer Leben und dass ihr etwas zum Essen habt, noch um euren Leib, dass ihr etwas zum Anziehen habt ...

11.3 Wirtschafts- und sozialpolitische Katastrophe

Eine massenhafte Befolgung dieser Anweisungen hätte schon die damaligen Volkswirtschaften schwer beschädigt, in kapitalgestützten wäre eine Katastrophe die Folge. Es ist zu befürchten, dass die Propagandisten einer Wiederbelebung Jesu gerade diese Anweisungen für sich ausschlachten werden. Eine Fehllenkung vieler, am allgemeinen Materialismus verzweifelnder junger Menschen wäre unvermeidlich, ebenso wie eine Desorientierung der christlichen Wählerschaft. Der Konsum bricht ein, die Aktienkurse gehen in den Keller, die Leute waschen sich nicht mehr, lungern in Lumpen auf autolosen Gassen. Endzeitstimmung allenthalben.

11. Was tun?

11.4.1 Tenor einer gemeinsamen Erklärung der Kirchen

Jesus hat die Familie nicht vorleben können, da er auf die Gründung einer eigenen verzichtete. Überliefert sind vor allem die Worte Jesu, die er an einige von ihm auserwählte Männer richtete, zu denen er sich hingezogen fühlte und die selbst frauen- und arbeitslos waren. Wir sind überzeugt, dass sich Jesus gegenüber verheirateten Erwerbspersonen positiv über Familie und Arbeit geäußert hat, was aber den Evangelien-Autoren offensichtlich entgangen ist..

11.4.2 Appell an die C-Parteien

Die wirtschaftspolitischen Stellungnahmen von Jesus Christus sind der Jugend des Heilands wegen entschuldbar, ebenso wie sein sozialrevolutionäres Auftreten. Hier gilt der alte Satz: Wer in der Jugend kein Kommunist war, wird nie ein guter Konservativer. Hätten seine Verfolger ihn nicht in der Blüte seiner Jahre umgebracht, wäre er im reiferen Alter mit Sicherheit von allen radikalen und pseudolinken Positionen abgerückt.

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12. Der Charakter Jesu

Entweder wurden Worte und Taten Jesu von den Autoren der Evangelien erfunden, um den ersten Gemeinden Texte für die Gestaltung ihres Zusammenlebens und ihrer Predigten zu liefern. Oder es gab einen realen Jesus der so war, wie sie ihn beschrieben haben. Nehmen wir letzteres an.

12.1 Bestechlich?

Drei Standesvertreter fragen in Bethlehem herum: Wo ist der König der Juden. Die Männer dringen in das Geburtshaus von Jesus ein und halten das Kind für einen Königssohn, dessen Gunst sie offensichtlich erringen wollen. Weiter Matthäus (2,11):

Dann holten sie ihre Schätze heraus und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben da.

Und was passiert? Jesus, als Mensch zwar noch Säugling, als wahrer Gott natürlich geistig schon voll entwickelt, nimmt die Geschenke an. Korrekt wäre gewesen, die Lobbyisten auf ihren Irrtum hinzuweisen - ich bin kein weltlicher König - und überhaupt - ich bin unbestechlich. Ob Jesus später die Spender dieser wertvollen Gaben in irgend einer Weise begünstigt hat, ist nicht bekannt.

12.2 Hat Jesus die eigene Tasche gewirtschaftet?

12.2.1 Jesus und seine Jünger waren arm

Übereinstimmend berichten die Evangelisten, Jesus habe seine Jünger aufgefordert, ihren Arbeitsplatz aufzugeben. Brot und Wein wurden nur zu besonderem Anlass vermehrt. Bei allen Wundern, die Jesus vollbrachte, konnte er Bares offenbar nicht herstellen. Die Jünger und ihr Anführer waren also für ihren Unterhalt auf milde Gaben angewiesen. Aussendung der Jünger in (Mk 6,9):

Er gebot ihnen außer einem Wanderstab nichts mit auf den Weg zu nehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel ...

12.2.2 Wieso falsche Terminierung?

Wenn die Adressaten seiner Verkündung des Weltendes noch in dieser Generation die um ihn versammelten Zuhörer waren, hieß das ja: Was wollt ihr noch groß mit euren Habgütern anfangen, wenn das Reich Gottes vor der Tür steht. In Hinsicht von 12.2.1 sind seine im Kontext erfolgten Spendenaufrufe einigermaßen problematisch.

12.2.3 Gebt den Armen

(Lk 12,33): Verkauft eure Habe und gebt den Erlös den Armen ... (Mk 10,21): Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen ....

12.3 Der wandernde Jesus: Wunderheiler und Geheimniskrämer

12.3 1 Illegales Vorgehen

Altes Testament, das Buch Levitikus, für Juden verbindliche Sammlung von Vorschriften und Gesetzen. (20,27):

Männer oder Frauen, in denen ein Toten- oder Wahrsagergeist ist, sollen mit dem Tod bestraft werden.

Obwohl es also verboten war, zieht Jesus die Massen vor allem durch Heilungen und die Austreibung böser Geister an.

12.3.2 Aufforderung zu Unaufrichtigkeit

Jesus täuscht die Behörden. Er heilt einen Aussätzigen und benutzt ihn zur Verschleierung seiner Umtriebe. (Mk 1,44):

Erzähle niemanden etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll ihnen als Beweis meiner Gesetzestreue dienen.

Der Mann erzählte alles weiter ...

... sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte.

Ob der Behörden wegen oder weil die Geheilten wieder erkrankten, bleibt offen. Auferweckung einer Toten. (Mk 5,42):

Sofort stand das Mädchen auf und ging umher ... Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen. Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren.

Jesus heilt einen Taubstummen. (Mk 7,35):

Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden. Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen.

12.3.3 Verschweigt Identität

Der herumziehende Jesus sagt nicht, wer er ist. Er lässt andere mit zweifelhaftem Leumund für sich sprechen. Ein Geist aus einem Mann aus Karfanaum eröffnet Jesus (Mk1,24):

Ich weiß wer du bist: der Heilige Gottes. Da befahl Jesus: Schweig, und verlass ihn ... (Mk1,34): Und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden, denn sie wussten, wer er war.

Die Bezeichnungen für das Wesen sind nicht einheitlich. (Mk 3,11):

Wenn die von unreinen Geistern Besessenen ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrieen: Du bist der Sohn Gottes. Er aber verbot ihnen streng, bekannt zu machen, wer er sei.

12.3.4 Ermahnung

Dass Jesus weder besonders mutig noch aufrichtig agiert, gar zu Lüge auffordert, sollte den TSCP-Betreibern zu denken geben.

12.4 Jesus im Urteil seiner Umgebung

Es kommt zu einem Gedränge, weil sich viele Kranke um Jesus scharen. (Mk 3,21):

Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen. Denn sie sagten: Er ist von Sinnen.

Jesus besucht seine Heimatstadt. Die Bewohner erkennen ihn und tuscheln (Mk 6,3):

Ist das nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon. Leben nicht seine Schwestern hier unter uns? Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab.

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13. Jesus Christus nicht belegt, sondern bezeugt

13.1 Flavius Josephus, jüdischer Geschichtsschreiber, 37 -100 n. Chr.

Er ist der einzige Geschichtsschreiber, der sich in räumlicher und zeitlicher Nähe zum Geschehen befand. Er siedelte nach der Niederlage der Juden im Jahr 70 nach Rom über. Dort begann er mit der Abfassung seiner Werke. Die Geschichte des jüdischen Krieges wurde um 76 vollendet, die Jüdischen Altertümer um 94. Sein Fazit über die Zustände in den Jahrzehnten vor der Niederlage: Es geht drunter und drüber, überall Elend und Krise.

13.2 Aufstände und neue Lehren

Wo Josephus bei den Juden hinsah: Unzufriedenheit, Wunderglauben, neue Lehren, Sektenwesen und Heilserwartungen.

13.3. Jesus fällt Zeitgenossen nicht auf

Josephus beendete seine Geschichte des jüdischen Krieges um das Jahr 76. In 2,2,9 berichtet er ausführlich über Unruhen und Aufstände unter Pontius Pilatus. Aber da kommt kein Jesus Christus vor, obwohl die Begleitumstände der Hinrichtung der Schilderung nach unübersehbar waren. (Mt 27, 45, 51):

Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte Finsternis im ganzen Land ... da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalten sich.

Warum sollte Josephus als Geschichtsschreiber ein Ereignis dieser Größenordnung verschweigen, und zwar im Einklang mit allen anderen zeitgenössischen Historikern? Darüber sollte die TSCP-Gruppe einmal nachdenken.

13.4 Textzeugen keine Augenzeugen

Die Autoren der Evangelien, von der Kirche heutzutage Textzeugen genannt, haben sich etwa ab dem Jahr 70 ans Werk gemacht. Sie behaupten nicht, Jesus gekannt zu haben. Ihre Quellen verschweigen sie, selbst wenn sie aus dem Alten Testament abschreiben.

13.5 Frühe Zweifel an der realen Existenz

Die gegnerischen Schriftsteller warfen den Christen vor, ihr neuer Gott käme nur in den selbstgemachten Schriften vor, sie seien also als Existenzbeweis nicht tauglich. Die frühen Kirchenhistoriker haben sich daher bemüht, Nachweise im außerchristlichen Schrifttum aufzuspüren. So auch die zwei herausragenden: Origenes (ca. 185 - 253) und Eusebius von Cäsarea (ca. 263 - 339). Origenes hat keinen einzigen Beleg entdeckt, auch in den ihm als Kopien vorliegenden Schriften des Josephus nicht.

13.6 Christen dichten

In seiner nicht überlieferten Schrift Wahres Wort verwarf der griechische Philosoph Kelsos 178 n. Chr. die Lehre der Christen. Um 245 antwortete Origenes ihm mit seiner Schrift Contra Celsus. Dabei geht er auf die Hauptvorwürfe des Kelsos ein. Sie lauten: Die Christen befinden sich philosophisch auf Abwegen, sie gefährden die sittliche und staatliche Ordnung, Jesus war ein Betrüger, die Wunder haben die Anhänger erfunden. Einige beispielhafte Sätze des Kelsos, die Origenes überlieferte:

Als angemessene Grundlage dient den Christen der Aufruhr und der dadurch erreichbare Gewinn (CC III,14) ... Sie formen Schreckbilder zusammen, um die Menschen anzuziehen ... (CC III, 16) Wir sehen doch auch die Leute, die auf den Märkten die verruchtesten Dinge zu Schau stellen und Gaben erbetteln ...

13.7 Der Bruder des Herrn

Nur ein Mitglied der ersten Gemeinden tritt sowohl in den Schriften des Josephus als auch in den Evangelien namentlich auf: Jakobus, der Bruder des Herrn. Die folgende Geschichte in den Altertümern des Josephus (20,9,1) handelt um das Jahr 63 unserer Zeitrechnung:

Der Hohepriester Ananus ... versammelte den hohen Rat zum Gericht und stellte vor dasselbe den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit dem Namen Jakobus, sowie noch einige andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen ließ.

Jakobus wird nur einmal erwähnt. Jesus ist ...(Mk 6,3):

... Sohn der Maria und der Brüder von Jakobus, Joses, Judas und Simon.

13.8 Mangel an Schriftzeugnissen

Eusebius KG IV, 5:

Über die Regierungszeit der Bischöfe in Jerusalem konnte ich keine schriftlichen Nachrichten ausfindig machen.

Da Eusebius keine unmittelbaren Zeugnisse über die ersten Gemeinden auftreiben konnte, griff er auf die verschollenen Schriften des Hegesippus zurück. Der hatte schon vor dem Jahr 150 seine Erkundungen angestellt, als die Quellenlage noch günstiger war. Eusebius KG II, 23:

Die Kirche wurde übernommen von den Aposteln und Jakobus, dem Bruder des Herren ...

13.9 Urkirche Familienbetrieb?

Lebensnah erscheinen weitere Auskünfte des Hegesippus. KG II, 20:

Noch lebten aus der Verwandtschaft des Herrn die Enkel des Judas, der ein leiblicher Bruder des Herren gewesen sein soll. Sie erhielten ... da sie Bekenner und Verwandte des Herrn waren, führende Stellungen in der Kirche. II, 22: Nachdem Jakobus den Martertod erlitten hatte ... wurde Symeon, der Sohn des Klopas, eines Onkels des Herrn, zum Bischof ernannt.

13.10 Jede Menge Christusse

Die Frage war nicht nur, ob man sich Christus zuwenden sollte, sondern auch welchem. Hegesippus zählt die konkurrierenden Sekten auf. (KG IV,22):

Simonianer, Kleobiener, Dosithianer, Gorathener, Masobotheer ... aus diesen gingen hervor die Menandrianisten, Marcianisten, Karpokratianer, Valentinaner, Baslidianer, Satornilianer, von welchen jede Richtung eine von der anderen abweichende Lehre eingeführt hat. Ihnen entstammen die falschen Christusse und die falschen Apostel, welche die Einheit der Kirche durch verderbliche Lehren über Gott und seinen Gesalbten zerstört haben.

Bezeugung der Messianität war harte Arbeit. Hegesippus KG II,23:

Einige wurden für den Glauben gewonnen, dass Jesus der Messias sei. Die erwähnten Sekten glaubten aber weder an die Auferstehung, noch an die Vergeltung ... Jakobus war für Juden und Heiden ein glaubwürdiger Zeuge der Messianität Jesu.

13.11 Wiederkehr fraglich

Der Jesus der Evangelien tut alles, um sich auffällig in Szene zu setzen. Mit Gottes Hilfe bebte sogar die Erde. Alles vergeblich, wenn es sich so abgespielt hat. Rund 30 Jahre später können sich die Christgläubigen nicht mehr auf einen einzigen Jesus einigen. Auch wir passen diesbezüglich. Selbst wenn es zutrifft, dass ein Jesus aus der Familie des Jakobus als Prophet und Wunderheiler auftrat, kann daraus nicht auf die historische Realität des Jesus Christus der Evangelien geschlossen werden. Frage an die TSCP: Wenn er nicht real war, wie kann er wiederkehren?

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14 Die Vorhaut von Charroux

Wie das Benediktiner-Kloster Charroux dazu kam, eine Vorhaut vorzeigen zu können. V.A. Müller, Auszüge aus Kapitel V:

14.1 Neid auf die Vorhaut in Rom

Denken wir nur an die vielen Pilger in Rom, die zur Osterzeit von den Reliquien angelockt wurden ... Ein solch einträgliches Unikum musste zur Nachahmung reizen. Dass es gerade die Benediktiner von Charroux bei Poitiers gewesen sind, die damit den Anfang gemacht haben, ist erklärlich. Sie waren durch die 1022 erfolgte Einäscherung ihrer Abtei und Kirche wohl geld- und reliquienbedürftig ...

14.2 Karl der Große besorgt eine Vorhaut in Jerusalem

Aus der Chronik der Mönche von Charroux. Bei Besly a. a. 0.)

„Als der Patriarch die Messe las und der katholische Kaiser dabei kniete, erschien über dem Kelch die rechte Hand und legte „die allerheiligste Kraft" auf die heiligen Gefäße ... Als nun mit heiterem Antlitz der fromme König zuschaute, stand zu seiner Rechten der gütigste kleine Jesusknabe und sprach mit frommem Mund, so dass alle es hören konnten: >0h, edelster Fürst, nimm an dies kleine Geschenk aus meinem wahren Fleisch und Blut<. Indem nun der König die heiligste Kraft in die Hand nahm, betete er, die Hände zum Himmel gestreckt ... Daraufhin kehrte der König nach Aquitanien zurück, begegnete in Limoges dem Grafen Rotger, und so brachten sie die Reliquie nach Charroux."

14.3 Versteckt und 1083 wieder entdeckt

„Unter Freuden und Bangen naht man sich dem Aufbewahrungsort. Die Türe wird gesprengt, und das herrliche Gefäß, in dem die heiligste Kraft aufbewahrt wird, bietet sich den Blicken dar ... Der Behälter war mit frischem Blut durchnässt, das aus der unaussprechlichen Kraft geflossen war."

14.4 Vorhaut fördert Schwangerschaft

Im XVII. und XVIII. Jahrhundert ersetzte ... dieses Praeputium die heutigen Spezialisten in Gynäkologie. Schwangere Frauen pilgerten andächtig zu ihm, um sich mit ihm segnen zu lassen, alsdann sahen sie ihrer schweren Stunde mit größerer Zuversicht und Ruhe entgegen. Es muss damals sehr populär gewesen sein, das Landvolk sprach nur mit großer Andacht vom „heiligen Praeziputius" ... Ein geistlicher Zusammenhang dürfte sich schwerlich konstruieren lassen und an einen ungeistlichen zu denken, verbietet uns die Schicklichkeit.

14.5 Kult nach der Revolution verboten

Nur ein halbes Jahrhundert blieb das Praeputium von Charroux ohne Anbeter und Verehrer, denn 1859 übergab es der Bischof von Poitiers samt den anderen Raritäten ... wieder dem öffentlichen Kult ... Und wer war dieser Bischof? Kein Geringerer als der spätere Kardinal Pius ... Ihm verdankt man es, wenn heute noch ein solcher Gegenstand in Charroux „angebetet" wird.

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15 Vorbild für Jesus: Sektengründer und Propheten

15.1 Die Essener

Josephus skizziert die vorherrschenden religiösen und politischen Vorstellungen und Strömungen JA 18,1,2-6:

Bei den Juden gab es schon seit langer Zeit drei philosophische Sekten, nämlich die der Essener, Sadduzäer und Pharisäer ...

Josephus ist Pharisäer, bewundert aber die Essener.

Die Essener glauben an die Unsterblichkeit der Seele und halten den Lohn der Gerechtigkeit für das erstrebenswerteste Gut ... Bei ihnen herrscht eine ausgleichende Gerechtigkeit, infolge derer sie vollkommene Gütergemeinschaft haben und dem Reichen nicht mehr Genuss von seinen Gütern lassen wie dem Armen. Nach dieser Lehre leben über viertausend Menschen. Sie heiraten ebenso wenig, als sie Knechte halten, da sie das letztere für Unrecht, das erstere aber für die Quelle alles Streites halten, und so leben sie voneinander abgesondert und dienen einer dem andern.

15.2 Menschenfischer werden Landplage

15.2.1 Mit Hab und Gut an den Jordan.

Der Römer Fadus war um 45 n.Chr. Landpfleger. JA 20,5,1:

Noch während Fadus Landpfleger von Judäa war, bewog ein Betrüger mit Namen Theudas eine große Menschenmenge, ihm unter Mitnahme ihrer gesamten Habe an den Jordan zu folgen. Er gab sich nämlich für einen Propheten aus und behauptete, er könne durch ein Machtwort die Fluten des Jordans teilen ... Durch solche Spiegelfechtereien gelang es ihm, viele zu täuschen. Aber Fadus duldete nicht, dass ihr Treiben Schaden stiftete, in dem er eine Abteilung Reiter gegen sie aussandte. Viele von ihnen wurden getötet, andere gefangen ... Theudas wurde enthauptet, und sein Kopf nach Jerusalem gebracht.

15.2.2 Zeichen und Wunder

Laut Josephus fackelten die Behörden nicht lange. JA 20,8,6:

Gleichzeitig traten Gaukler und Betrüger auf und beredeten die Menge, ihnen in die Wüste zu folgen, wo sie mit Gottes Beistand offenbare Zeichen und Wunder tun würden. Viele glaubten ihnen, mussten aber für ihren Unverstand schwer büßen, da Felix sie zurückholen und hinrichten ließ.

15.2.3 Glückseligkeit versprochen

Der Nachfolger von Felix statuiert das nächste Exempel. JA 20,8,10:

Um diese Zeit trat wieder ein Gaukler auf, welcher der Menge Glückseligkeit und Befreiung von allem Elend verhieß, wenn sie ihm in die Wüste folge. Festus aber sandte gegen den Betrüger und dessen Anhang Abteilungen zu Fuß und zu Pferde aus, die den ganzen Haufen niedermachten.

15.2.4 Und Jesus?

Jesus heilt ungezählte Kranke, weckt Tote auf und verspricht alles Mögliche, fällt aber weder den Behörden noch dem Historiker auf.

15.2.5 Johannes historisch gesichert

Er hat laut Mk 1,9 Jesus getauft. Josephus JA 18,5,2:

Johannes der Täufer ... ein edler Mann, der die Juden anhielt, nach Vollkommenheit zu streben, indem er sie ermahnte, Gerechtigkeit gegeneinander und Frömmigkeit gegen Gott zu üben und so zur Taufe zu kommen.

15.3 Johannes wird aus dem Weg geräumt

Folgen wir dem Historiker, war Johannes eine lästige Konkurrenz für Sektengründer und eine Bedrohung für den Staat. JA 18,5,2:

Da nun infolge der wunderbaren Anziehungskraft solcher Reden eine gewaltige Menschenmenge zu Johannes strömte, fürchtete Herodes, das Ansehen des Mannes, dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, möchte das Volk zum Aufruhr treiben, und hielt es daher für besser, ihn rechtzeitig aus dem Wege zu räumen ... Auf diesen Verdacht hin ließ Herodes Johannes in Ketten legen, zur Festung Machaerus bringen und dort hinrichten.

15.4 Jesus tritt als Nachfolger auf

Er beginnt mit der Anwerbung von Anhängern. (Mk 1,14, 17):

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. (Zu Simon und seinen Bruder) Kommt her, folgt mir nach, ich werde euch zu Menschenfischern machen.

Werbung durch Wunder. (Mk 1,32):

Am Abend brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus. Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten und trieb viele Dämonen aus.

15.5. Überraschung. Ein historischer Jesus

15.5.1. Zur Erinnerung

Der Markus-Jesus prophezeite den Untergang Jerusalems und trat als Störenfried auf. Nach seiner Verhaftung wurde er von jüdischen Vorstehern verhört, dann geschlagen und schließlich dem römischen Landpfleger vorgeführt.

15.5.2 Wie ein gewisser Jesus die Ruhe störte und verhört wurde

Das Markus-Autor hat seinen Jesus nicht erlebt, dafür war er Zeitgenosse eines anderen, dem Ähnliches widerfuhr. Es geschah im Jahr 66 in der Nähe des Tempels. Josephus JK 6,5,3:

Ein gewisser Jesus ... fing da plötzlich an zu rufen: „Eine Stimme vom Aufgang, eine Stimme vom Niedergang, eine Stimme von den vier Winden; eine Stimme über Jerusalem und den Tempel ..." Tag und Nacht rief er dies, in allen Gassen der Stadt umherlaufend. Einige vornehme Bürger ... ergriffen den Menschen und züchtigten ihn mit harten Schlägen. Er aber fuhr ... immer nur fort, seine früheren Worte zu wiederholen. Mit Recht glaubten daher die Vorsteher, es möchte dem Benehmen des Menschen ein höherer Antrieb zu Grunde liegen, und führten ihn vor den römischen Landpfleger.

Dort wiederholt er nur seinen Klageruf: Wehe Jerusalem, obwohl er erneut geschlagen wird.

Als Albinus - so hieß der Landpfleger - ihn fragte, wer und woher er sei und weshalb er also rufe, gab er auch hierauf keine Antwort ... bis Albinus, von seinem Wahnsinn überzeugt, ihn laufen ließ.

Laut Josephus ließ dieser Jesus sein Wehe, wehe Jerusalem rund sieben Jahre lang erschallen, bis er während der Belagerung von einem Stein aus einer Schleudermaschine getroffen wurde.

15.5.3 Ist dieser Jesus unser Jesus?

Kurz darauf griffen Josephus und der Markus-Autor zur Feder. Hat letzterer für Albinus einfach Pilatus eingesetzt und die Umstände des Ablebens Jesu auf Drängen seiner Auftraggeber abgewandelt? Oder hat er bei Josephus Anleihen gemacht? Kardinal Joseph Ratzinger schreibt ein mehrbändiges Werk über Jesus, vielleicht findet er eine Antwort auf unsre Fragen. Der TSCP-Gruppe sei gesagt: Spart euer Geld, bis jemand einen realen Jesus gefunden hat.

15.8 Geistgezeugt? Neuer Aspekt

Falls der Jesus der Evangelien literarisch aus zeittypischen realen Personen kompiliert wurde, wäre er tatsächlich geistgezeugt. Seine Vorhaut wäre unverweslich, aber nicht brauchbar.

15.9 An Jesus glauben?

Warum nicht? Gerade wenn es keine reale Person Jesus gab, kann ja jeder an seinen persönlichen Jesus glauben.

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16 Jesus in Jerusalem: Vom Typ her Rebell

16.1 Klima der Rebellion

16.1.1 Vom Zeitgeist fanatisierte Jugend

Josephus äußert sich kritisch über revolutionäre Umtriebe. JA 18,1,1:

Judas und Sadduk ... hatten eine vierte Philosophenschule gegründet und bereits zahlreiche Anhänger um sich versammelt. Sie brachten den Staat in grenzenlose Verwirrung und stifteten das zukünftige Unheil durch Lehren, die bis dahin kein Mensch je gehört hatte ... Es war besonders die Jugend, die durch jene Lehren fanatisiert, unserem Staate den Untergang bereitete.

16.1.2 Gegen Knechtschaft, für Freiheit

Um 6 n.Chr. ordnet Rom eine Schätzung an. Josephus JA 18,1,1:

Der Gaulaniter Judas ... und der Pharisäer Sadduk reizten das Volk durch die Behauptung zum Aufruhr, die Schätzung bringe nur Knechtschaft mit sich. Sie forderten das gesamte Volk auf, seine Freiheit zu schützen ... Derartige Reden wurden mit größtem Beifall aufgenommen, und so dehnte sich das tollkühne Unternehmen bald ins Ungeheuerliche aus ... Ein Krieg nach dem anderen brach aus, ... es kam zu Aufständen und offenem Blutvergießen ... So wurde die Neuerungssucht und das Rütteln an den althergebrachtren Einrichtungen den Übeltätern selbst zum Verderben.

16.1.3 Kausaler Zusammenhang (Origenes, Contra Celsus, III,8)

Der griechische Schriftsteller Kelsos konstatierte um 178 n. Chr.:

Der Aufruhr ist der Anlass für die Entstehung des Christentums.

16.2 Evangelien-Jesus im Zeitgeist angesiedelt

Die Erzählung vom sanften Untergrund-Wunderheiler endet mit dem Einzug in Jerusalem. Dort tritt Jesus offen als Umstürzler auf.

16.2.1 Kritik an den Machthabenden (Mk 12,38)

Er lehrte sie und sagte, nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten ... Sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben. Sie bringen die Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete.

16.2.2 Revolutionäre Tat. Jesus geht in den Tempel (Mk 11,15):

Er begann die Händler und Käufer aus dem Tempel herauszutreiben und stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um.

16.2.3 Gesteht Rebellentum

Verhör im Palast der Hohenpriester. Zeugen bringen Anklagen vor. Jesus schweigt zunächst. (Mk 14,61):

Da wandte sich der Hohepriester nochmals an ihn und fragte: Bist du der Christós, der Sohn des Hochgelobten. Jesus sagte: Ich bin es ...

Das ist der prophezeite Nachfolger König Davids, der die notbringende Herrschaft ablösen soll, sprich die jüdische Obrigkeit, der die Richter angehörten. Korrekte Schlussfolgerung: Umstürzler. Auslieferung an den römischen Landpfleger. Verhör. Jesus bekennt sich auch zur Rebellion gegen die römische Besatzung. (Mk 15,2):

Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden. Er antwortete ihm: Du sagst es.

16.3 Bzgl. Wünschbarkeit einer Wiederkehr

Als Typ ist dieser Rebellen-Jesus ebenso historisch wie der Wunderheiler-Jesus. Sollten beide real als zwei Personen existiert haben, bleibt offen, mit welcher wir es zu tun bekommen. Haben beide in einer Person existiert, hätten wir mit einer gespalteten Persönlichkeit zu rechnen. Ein echtes Problem für die TSCP-Gruppe sowie für alle, die an eine baldige Wiederkehr glauben.

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17 Matthäus-Hinzufügungen rein politisch

17.1 Markus 1,9. Erzählung beginnt mit der Taufe.

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret ...

Will sagen, der Säugling und Knabe konnte noch nichts bewirken und blieb daher unauffällig. Die Markus-Darstellung ist erstens plausibel und soll zweitens auf eine Inspiration von höherer Seite zurückgehen. Eine Meinungsänderung ist mit der herrschenden Vorstellung von Gott nicht vereinbar. Wenn aber nachträgliche Einfügungen Menschenwerk waren, ist zu vermuten, dass sie etwas einbringen sollten.

17.2 Zufügung der Geburt (Mt 1,18-25)

Wahrscheinlich auf Drängen seiner Auftraggeber fügt der Matthäus-Autor die Weihnachtsgeschichte in das Markus-Evangelium ein. Das Motiv liegt auf der Hand. Ein Datum mehr, an dem die Gemeinde schön feiern und spenden konnte.

17.3 Komplettierung der Familie (Mt 1,18)

Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt.

Bei der Werbung neuer Mitglieder war es von Vorteil zu betonen, dass Jesus aus einer ordentlichen Familie stammte. Damit waren alleinerziehende Mütter und offene Lebensgemeinschaften out.

17.4 Zufügung der Geistzeugung (Mt 1,18)

Noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte es sich, dass sie ein Kind erwartete, durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Je mächtiger ein Gott vorgestellt wird, um so mehr Beistand kann der Gläubige von ihm erwarten. In der Antike mit ihrem reichhaltigen Angebot an Göttern war die Machtfrage bei der Auswahl daher ein entscheidendes Kriterium. Als vom höchsten Gott gezeugte Gottheit war Jesus nun konkurrenzfähig.

17.5 Einfügung zur Klärung der Vorherrschaft

Der Matthäus-Autor übernimmt fast wörtlich den Markus-Text 7,31 bis 28 und weiter 29:

Da fragte er sie, aber ihr, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias.

Aber dann geht es nicht weiter:

Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen.

Stattdessen folgt die erste Seligsprechung. (Mt 16,17):

Selig bist du, Simon Barjona, denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.
Dann begründet der Bearbeiter den Anspruch der Petrus-Sekte auf die erste Kirchenpfründe, in dem er Jesus sagen lässt (Mt 16,18):

Ich aber sage dir, du bist der Petrus und auf diesen Fels will ich meine Kirche bauen ...

Auftrag erledigt. Wie weiter? Unser Autor schaut in seine Vorlage (Mk 8,33) und schreibt ab:

Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen. Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

(Mt 16,23) Einerseits Fels als Unterbau der Kirche, andererseits Satan? Eine Inspiration durch ein per Definition logisch denkendes höheres Wesen ist damit auszuschließen.

17.6 Ausgrenzende Textmanipulation

17.6.1 Betrifft TSCP

Die Betreiber des Klon-Projekt treten als überzeugte Christen auf. Sie sollten sich nicht auf den Matthäus-Autor berufen. Geht es nach ihm, kommt Jesus nicht zu ihnen.

17.6.2 Geht nur zu den Juden

Jesus sendet die Jünger aus. (Mk 6,7):

Er rief die Jünger zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben.

Der Matthäus-Autor verwandelt diesen Text in eine direkte Rede mit geänderter Botschaft. (Mt 10,5):

Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel und verkündet, das Himmelreich ist nah. Heilt Kranke, weckt Tote auf und macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus.

Ein klarer Fall von Ausgrenzung der nichtjüdischen Jesusgläubigen.

17.7 Fazit

Warum der Matthäus-Autor zuverlässiger sein soll als der Markus-Autor, leuchtet uns nicht ein.

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18 Jesus, die Liebe und der Frieden

18.1 Zur Akzeptanz des Sandalen-Jesus

Er kommt den Sehnsüchten eines an der Grobheit der Welt leidenden Publikums entgegen. Das ist ja auch das Anliegen der TSCP: Jesus rettet die Menschheit durch Stiftung einer Friedenskirche, wobei lediglich die gütigen Schwestern im Heil- und Pflegebereich übernommen werden. Eine schöne Idee, aber woher einen gütigen Jesus nehmen, wenn es keinen gibt?

18.2 Der handelnde Jesus der Evangelien ist ein anderer

18.2.1 Gnadenlos

Der Jesus in Jerusalem kann kein Brot machen. Als er Hunger hat, sieht er einen Feigenbaum, der keine Früchte trägt. Das soll bei Bäumen im Frühjahr ja vorkommen, ist also kein Grund, völlig auszurasten. Anders Jesus. (Mk 11,14) und (Mt 21,19):

Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und der Feigenbaum verdorrte auf der Stelle.

18.2 .2 Hemmungslos

Jesus hetzt mit einer demagogischen Rede das Volk gegen seine Konkurrenten auf, die Schriftgelehrten und Pharisäer. (Mt 13,13):

Ihr Heuchler ... ihr blinden Narren ... Ihr Söhne der Prophetenmörder ...Ihr Nattern und Schlangenbrut ...

Auch die Randale mit den Händlern im Tempel war nicht unbedingt friedenspreiswürdig.

18.2.3 Lieblos

Auf Menschen bezogen kommt das Wort Liebe im Markus-Evangelium nur einmal vor. (12,31). Die Spitzel des Hohenpriesters fragen Jesus nach den größten Geboten. Er weiß, dass er aufpassen muss und zitiert folgsam Levitikus 19,21.

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Offensichtlich wird das nur gesagt, damit die jüdischen und römischen Behörden keinen Verdacht schöpfen. Wenn keine Häscher zuhören, schlägt Jesus andere Töne an. Sollte eine Stadt die Jünger nicht aufnehmen, droht Jesus (Mt 10.15):

Amen, ich sage euch, dem Gebiet von Sodom und Gommorra wird es am Tag des Gerichts nicht so schlimm gehen, wie dieser Stadt.

18.2.4 Friedlos

Das Wort Frieden kommt in den Evangelien höchst selten vor, im Markus-Text sogar nur einmal. Jesus zu den Jüngern (Mk 9,49):

Jeder wird mit Feuer gesalzen werden. Das Salz ist etwas Gutes ... Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander.

Also kein Friede für alle und auch nicht für alle Hütten. (Mt 10,12):

Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden ... ist das Haus es aber nicht wert, soll der Friede zu euch zurückkehren.

18.3 Opportunistischer Nachtrag: Die Bergpredigt

Sie wurde unvermittelt in den Markus-Text zwischen (1,28) und (1,29) von der Matthäus-Redaktion eingefügt. Ethisch bringt sie im Vergleich mit dem AT nichts Neues. Nach unserer Analyse handelt sich um ein politisches Statement des Autors im Auftrag der Gemeinde. (Mt 5,38):

Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.

Damit wurde den römischen Behörden signalisiert, dass die Christen keinen Umsturz planten. Den sie verfolgenden Schergen wurde versichert, sie hätten nichts zu befürchten, außer Liebe. (Mt 5,43):

Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet.

Als der Text wurde verfasst, wurden nicht mehr die Jünger verfolgt, sondern die frühen Christen. Sie konnten die Zeilen der Polizei unter de Nase halten, wenn sie ins Gemeindehaus eindrang. Hätten der oder die Verfasser der Bergpredigt denn Krieg allgemeinen ächten wollen, standen ihnen Worte zu Gebote wie: „Wer zum Schwert greift, dem ist das Höllenreich sicher." Das hätten die Römer aber nicht gern gehört.

18.4 Warum keine Wirkung? Evangelien Verschlusssache

Die Gründe für eine Einschmeichelung bei den Behörden entfielen, als die Christen den Staat übernommen hatten. Mit der Einführung des gerechten Krieges durch Augustinus hat die Kirche dann die Friedensgebote außer Kraft gesetzt und dem Kirchenvolk auch nicht mehr zu Kenntnis gebracht.

18.5 Jesus kein Friedensbringer

Der Matthäus-Autor lässt seinen Jesus zwar kurz den Frieden predigen, aber nicht bringen. (Mt 10,34):

Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit dem Vater zu entzweien, und die Tochter mit ihrer Mutter, und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein.

Es handelt sich um einen Klartext, nichts wird versprochen, was nicht machbar gewesen wäre.

18.6 Sorgenvolles Fazit

Die Gutachter haben sich bis hierher bemüht, ihre Analyse emotionsfrei nach den Maßstäben strenger Objektivität anzustellen. Weil aber selbst mögliche Opfer künftigen Unheils, wollen wir am Ende mit unserer Meinung nicht hinter dem Berg halten: Es wäre besser, Jesus würde nicht geklont. Auch der Gedanke an andere Formen der Wiederkehr lässt uns nicht frohlocken.

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Das Buch hat bei etlichen namhaften Verlagen keine besondere Begeisteung ausgelöst. Es weiteren anzudienen fehlt mir die Kraft. Bleibt wohl nur BOD. Bei aller Ironie aufwendig recherchiert. 185 Seiten, druckfertig auf CD. Sollte es jemand nicht abwarten können, möge er sich melden.
Webmaster@milger.de

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Was versteht man unter
Kreuzzüge im Mittelalter