13. Jesus Christus nicht belegt, sondern bezeugt

13.1 Flavius Josephus, jüdischer Geschichtsschreiber, 37 -100 n. Chr.

Er ist der einzige Geschichtsschreiber, der sich in räumlicher und zeitlicher Nähe zum Geschehen befand. Er siedelte nach der Niederlage der Juden im Jahr 70 nach Rom über. Dort begann er mit der Abfassung seiner Werke. Die Geschichte des jüdischen Krieges wurde um 76 vollendet, die Jüdischen Altertümer um 94. Sein Fazit über die Zustände in den Jahrzehnten vor der Niederlage: Es geht drunter und drüber, überall Elend und Krise.

13.2 Aufstände und neue Lehren

Wo Josephus bei den Juden hinsah: Unzufriedenheit, Wunderglauben, neue Lehren, Sektenwesen und Heilserwartungen.

13.3. Jesus fällt Zeitgenossen nicht auf

Josephus beendete seine Geschichte des jüdischen Krieges um das Jahr 76. In 2,2,9 berichtet er ausführlich über Unruhen und Aufstände unter Pontius Pilatus. Aber da kommt kein Jesus Christus vor, obwohl die Begleitumstände der Hinrichtung der Schilderung nach unübersehbar waren. (Mt 27, 45, 51):

Von der sechsten bis zur neunten Stunde herrschte Finsternis im ganzen Land ... da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalten sich.

Warum sollte Josephus als Geschichtsschreiber ein Ereignis dieser Größenordnung verschweigen, und zwar im Einklang mit allen anderen zeitgenössischen Historikern? Darüber sollte die TSCP-Gruppe einmal nachdenken.

13.4 Textzeugen keine Augenzeugen

Die Autoren der Evangelien, von der Kirche heutzutage Textzeugen genannt, haben sich etwa ab dem Jahr 70 ans Werk gemacht. Sie behaupten nicht, Jesus gekannt zu haben. Ihre Quellen verschweigen sie, selbst wenn sie aus dem Alten Testament abschreiben.

13.5 Frühe Zweifel an der realen Existenz

Die gegnerischen Schriftsteller warfen den Christen vor, ihr neuer Gott käme nur in den selbstgemachten Schriften vor, sie seien also als Existenzbeweis nicht tauglich. Die frühen Kirchenhistoriker haben sich daher bemüht, Nachweise im außerchristlichen Schrifttum aufzuspüren. So auch die zwei herausragenden: Origenes (ca. 185 - 253) und Eusebius von Caesarea (ca. 263 - 339). Origenes hat keinen einzigen Beleg entdeckt, auch in den ihm als Kopien vorliegenden Schriften des Josephus nicht.

13.6 Christen dichten

In seiner nicht überlieferten Schrift Wahres Wort verwarf der griechische Philosoph Kelsos 178 n. Chr. die Lehre der Christen. Um 245 antwortete Origenes ihm mit seiner Schrift Contra Celsus. Dabei geht er auf die Hauptvorwürfe des Kelsos ein. Sie lauten: Die Christen befinden sich philosophisch auf Abwegen, sie gefährden die sittliche und staatliche Ordnung, Jesus war ein Betrüger, die Wunder haben die Anhänger erfunden. Einige beispielhafte Sätze des Kelsos, die Origenes überlieferte:

Als angemessene Grundlage dient den Christen der Aufruhr und der dadurch erreichbare Gewinn (CC III,14) ... Sie formen Schreckbilder zusammen, um die Menschen anzuziehen ... (CC III, 16) Wir sehen doch auch die Leute, die auf den Märkten die verruchtesten Dinge zu Schau stellen und Gaben erbetteln ...

13.7 Der Bruder des Herrn

Nur ein Mitglied der ersten Gemeinden tritt sowohl in den Schriften des Josephus als auch in den Evangelien namentlich auf: Jakobus, der Bruder des Herrn. Die folgende Geschichte in den Altertümern des Josephus (20,9,1) handelt um das Jahr 63 unserer Zeitrechnung:

Der Hohepriester Ananus ... versammelte den hohen Rat zum Gericht und stellte vor dasselbe den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, mit dem Namen Jakobus, sowie noch einige andere, die er der Gesetzesübertretung anklagte und zur Steinigung führen ließ.

Jakobus wird nur einmal erwähnt. Jesus ist ...(Mk 6,3):

... Sohn der Maria und der Brüder von Jakobus, Joses, Judas und Simon.

13.8 Mangel an Schriftzeugnissen

Eusebius KG IV, 5:

Über die Regierungszeit der Bischöfe in Jerusalem konnte ich keine schriftlichen Nachrichten ausfindig machen.

Da Eusebius keine unmittelbaren Zeugnisse über die ersten Gemeinden auftreiben konnte, griff er auf die verschollenen Schriften des Hegesippus zurück. Der hatte schon vor dem Jahr 150 seine Erkundungen angestellt, als die Quellenlage noch günstiger war. Eusebius KG II, 23:

Die Kirche wurde übernommen von den Aposteln und Jakobus, dem Bruder des Herren ...

13.9 Urkirche Familienbetrieb?

Lebensnah erscheinen weitere Auskünfte des Hegesippus. KG II, 20:

Noch lebten aus der Verwandtschaft des Herrn die Enkel des Judas, der ein leiblicher Bruder des Herren gewesen sein soll. Sie erhielten ... da sie Bekenner und Verwandte des Herrn waren, führende Stellungen in der Kirche. II, 22: Nachdem Jakobus den Martertod erlitten hatte ... wurde Symeon, der Sohn des Klopas, eines Onkels des Herrn, zum Bischof ernannt.

13.10 Jede Menge Christusse

Die Frage war nicht nur, ob man sich Christus zuwenden sollte, sondern auch welchem. Hegesippus zählt die konkurrierenden Sekten auf. (KG IV,22):

Simonianer, Kleobiener, Dosithianer, Gorathener, Masobotheer ... aus diesen gingen hervor die Menandrianisten, Marcianisten, Karpokratianer, Valentinaner, Baslidianer, Satornilianer, von welchen jede Richtung eine von der anderen abweichende Lehre eingeführt hat. Ihnen entstammen die falschen Christusse und die falschen Apostel, welche die Einheit der Kirche durch verderbliche Lehren über Gott und seinen Gesalbten zerstört haben.

Bezeugung der Messianität war harte Arbeit. Hegesippus KG II,23:

Einige wurden für den Glauben gewonnen, dass Jesus der Messias sei. Die erwähnten Sekten glaubten aber weder an die Auferstehung, noch an die Vergeltung ... Jakobus war für Juden und Heiden ein glaubwürdiger Zeuge der Messianität Jesu.

13.11 Wiederkehr fraglich

Der Jesus der Evangelien tut alles, um sich auffällig in Szene zu setzen. Mit Gottes Hilfe bebte sogar die Erde. Alles vergeblich, wenn es sich so abgespielt hat. Rund 30 Jahre später können sich die Christgläubigen nicht mehr auf einen einzigen Jesus einigen. Auch wir passen diesbezüglich. Selbst wenn es zutrifft, dass ein Jesus aus der Familie des Jakobus als Prophet und Wunderheiler auftrat, kann daraus nicht auf die historische Realität des Jesus Christus der Evangelien geschlossen werden. Frage an die TSCP: Wenn er nicht real war, wie kann er wiederkehren?

© Studiengruppe RDW

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